Kunsttherapie

Bei dem Stichwort "Kunsttherapie" gibt es oftmals entweder ein spannendes Interesse, was sich wohl dahinter verbergen mag oder ein "Zusammenzucken" aus der Erinnerung heraus an den schulischen Kunstunterricht, an den man meistens negative Erfahrungen hat.

Besonders die Menschen aus der "zweiten Gruppe" möchte ich beruhigen: Bitte, vergessen Sie alle negativen Erfahrungen, die Sie mit "Malen müssen" verbinden!

Was ist Kunsttherapie?

Kunsttherapie ist eine Fachrichtung der "Künstlerischen Therapien" (neben Musiktherapie, Tanztherapie, Theatertherapie u.a.), die manchmal noch als "Kreativtherapien" bezeichnet werden.

Kunsttherapie fördert die Fähigkeit des Menschen, seine Umwelt unmittelbar über die Sinne wahrzunehmen und zu begreifen. Sie setzt an einem tiefen Grundbedürfnis des Menschen an, sich gestalterisch auszudrücken und mit sich und anderen in Kontakt zu treten.

Auf der Basis einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung werden innere Prozesse durch Materialien und Medien der Bildenden Kunst sichtbar gemacht, Farb- und Formqualitäten mit eigenem Erleben und persönlichen Lebensmotiven verbunden.

Sowohl die Gestaltungsprozesse selbst, als auch die entstandenen Werke dienen innerhalb des therapeutischen Geschehens als "Anschauungs- und Proberaum", in welchem Handlungen und Denkweisen betrachtet, weiterentwickelt und einer sinnvollen Wandlung unterzogen werden können. Im kunsttherapeutischen Prozess können kreative Ressourcen neu entdeckt, Selbstheilungskräfte mobilisiert sowie vielfältige Veränderungsprozesse angeregt werden.

Kunsttherapie findet bei Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen und krisenhaften Entwicklungen in allen Lebensphasen sowie in psychosozialen Zusammenhängen sinnvollen Einsatz.

Kunsttherapeutische Vorgehensweisen orientieren sich unter anderem an tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutisch-lerntheoretischen, systemischen, anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen.

Der Begriff "Gestaltungstherapie" (nicht zu verwechseln mit "Gestalt-Therapie"!) wird für einen spezifischen tiefenpsychologischen Ansatz klinischer Kunsttherapie verwendet.

Die, die sehr gerne malen, gestalten, formen, musizieren, tanzen usw. werden entzückt und erfreut sein.

Aber auch die Menschen, die sofort sagen "Das ist nichts für mich" bitte ich, noch ein wenig weiter zu lesen.

In der Kunsttherapie gibt es auch eine Methode, die des "Bilderns". Diese Methode geht auf C.G. Jung zurück und wurde mir auf der Fachhochschule in Nürtingen von einem wunderbaren Professor beigebracht.

Denken Sie z. B. an Ihre eigene Einschulung zurück oder den ersten schönen Kuss... Merken Sie, es tauchen Bilder in Ihrem Inneren auf.

Sehen Sie? Auch Sie bringen die Voraussetzung mit zu "Bildern".

Sie sind immer noch hier? Lesen Sie den Anfang des "Kleinen Prinzen" von Antoine de Saint Exupery und Sie werden sich selber noch einen kleinen Schritt besser verstehen. :-) (wie das mit kleinen und großen Leuten möglicherweise war ...)

Kunsttherapie bietet in einer für viele Menschen als ausweglos erlebten Situation die Möglichkeit, aus der "passiven" Krankenrolle in eine aktivere Rolle zu kommen - sich selbst als wirksam und nicht nur ausgeliefert zu erleben.

Wenn Sie neugierig geworden sind, vereinbaren Sie bitte einen ersten, kostenlosen Termin mit mir, bei dem wir alles Weitere besprechen. Sie werden von sich selbst positiv überrascht sein!

Weiterführende Literatur

Diese Literaturliste stellt lediglich eine Auswahl zur Einführung in verschiedene kunsttherapeutische Themenbereiche dar.

Dannecker, Karin (Hrsg.):
Internationale Perspektiven der Kunsttherapie
Nausner & Nausner, Graz 2003
Renommierte Kunsttherapeuten verschiedener Länder reflektieren neue Entwicklungen, Forschungsergebnisse und offene Fragen der kunsttherapeutischen Theorie und Praxis.

Kramer, Edith:
Kunst als Therapie mit Kindern
Verlag Reinhard Ernst, München, 4. Aufl. 1999
Das Buch vermittelt in einer klaren, jedoch professionellen Sprache die Grundlagen der Kunsttherapie aus psychodynamischer Sicht. Die Illustrationen begleiten die Fallgeschichten sehr anschaulich.

Menzen, Karl-Heinz:
Grundlagen der Kunsttherapie
Reinhardt, München, 3. Aufl. 2008
Verschiedene kunsttherapeutische Verfahren und deren Verankerungen in ästhetischen, pädagogischen und psychologischen Theorien werden systematisch vorgestellt sowie neueste neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse über die Entstehung von Bildern im Gehirn.

Sinapius, Peter (Hrsg.):
So möchte ich sein
Krankheitsbewältigung bei Krebs - Bilder aus der Kunsttherapie
Claus Richter Verlag, Köln, 2009
Die Bilder, die in diesem Buch vorgestellt werden, sind Teil der Lebens- und Krankheitsgeschichte einer an Krebs erkrankten Frau: Die Bilder von Clara Meves. Sie hatte vor ihrem Tod den Wunsch geäußert "ihre maltherapeutischen Bilder aus ihrem Nachlass einer größeren Anzahl von der gleichen Krankheit betroffenen Frauen zugänglich zu machen und ihnen auf diese Weise vielleicht in ihrem Leiden ein wenig Trost und Seelenhilfe zu geben". Das Buch ist eine Collage von zahlreichen, farbig reproduzierten Bildern, Interviewausschnitten, Gedichten, Briefen und Dokumenten sowie eine forschungsmethodische Begründung.

Titze, Doris (Hrsg.):
Die Kunst der Kunsttherapie
Band 1: Aus der Mitte, Band 2: Kunstaustausch
Sandstein Verlag, Dresden 2005
Die beiden Bände legen besonderen Schwerpunkt auf die Schnittstellen von Kunst, Therapie und Kunsttherapie. Das breite Spektrum der Beiträge beleuchtet sowohl vielfältige interdisziplinäre Ansätze als auch grundlegendes kunsttherapeutisches Denken und Tun.

Von Spreti, Flora; Martius, Phillipp; Förstl, Hans (Hrsg.):
Kunsttherapie bei psychischen Störungen
Elsevier, München 2005
Anhand von Fallbeispielen werden kunsttherapeutische Arbeitsansätze vorgestellt.

Menzen, Karl-Heinz; Rech, Peter; Wendlandt-Baumeister, Marion (Hrsg.):
Kunst und Therapie / Zeitschrift für bildnerische Therapien
Claus Richter Verlag, Köln
Halbjährlich erscheinende Publikation zu verschiedenen kunsttherapeutischen Themenschwerpunkten.