mobbing psychotherapie, psychologische beratung bei mobbing

Mobbing

Wenn Ihr Arbeitsumfeld Sie kränkt / krank macht

Behandlung von Mobbing

Was geschieht bei Mobbing?

Mobbing löst negativen Stress aus. Das Dilemma des Betroffenen besteht darin, dass er Teil des "Spiels" ist und zugleich diesem ausgeliefert ist.

Aus diesen Gründen reagieren Mobbingbetroffene mehr oder weniger schnell mit Gesundheitsbeeinträchtigungen und Krankheiten - auch weil sie sich häufig noch selbst die Schuld geben. Eine entscheidende Rolle kommt deshalb dem Arzt zu, den der Mobbingbetroffene wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen aufsucht.

Erste Symptome

Zunächst weiß der Patient oft selbst noch nicht, dass seine zunehmenden Beeinträchtigungen mit der Situation am Arbeitsplatz zusammenhängen. Untersuchungen ergaben, dass Muskelverspannungen, Rückenschmerzen oder Schulterprobleme gar nicht unbedingt mit der Arbeit am Computer oder monotoner körperlicher Arbeit zusammenhängen, sondern dass oft Mobbing dahintersteckt.

"Die Leute ziehen sich wie eine Schildkröte in sich zusammen, um möglichst geschützt zu sein, nehmen diese verkrampfte Haltung an und bekommen dann Kopfschmerzen und so weiter."

Häufige Beschwerden von Mobbingopfern sind außer Kopfschmerzen, die zunehmende Verschlechterung einer Allergieneigung, Enge in der Brust, Atembeschwerden, Magenschmerzen oder Verdauungsstörungen. Typisch sind auch Schlaflosigkeit, Angstattacken und depressive Verstimmungen.

Psychische Folgen: Fragen und Selbstzweifel

Die Schlaflosigkeit beginnt meist mit lästigen, immer wiederkehrenden Gedanken, die sich verselbstständigen und zu Zwangsgedanken werden können: "Was mache ich falsch?", "Wie kann ich in dieser und jener Situation reagieren?", "Was machen meine Kollegen mit mir und warum gerade mit mir?", "Warum, warum, warum ...?" Mobbingopfer haben immer wieder Bilder von Situationen vor Augen, in denen sie gedemütigt, belogen oder ignoriert wurden. Daraus resultieren Gefühle der Verwirrung, des Zweifels, der Angst, der Vereinsamung, aber vor allem der Ohnmacht. Diese Ohnmacht wird meist als das Schlimmste und als Bestrafung empfunden.

Viele der Mobbingopfer reagieren aus purer Verzweifelung auch mit Essstörungen und Drogenkonsum.

Die meisten Mobbingopfer sind nach einiger Zeit oft erschöpft und leicht reizbar und reagieren mit ihrem Verhalten darauf: So neigen Raucher dazu, noch mehr zu rauchen, Kaffeetrinker, noch mehr Kaffee zu trinken, und ähnliches. Folgen sind auch vermehrter Alkoholkonsum oder vermehrte Einnahme von Schlaftabletten oder Psychopharmaka. Auch Essstörungen verschlimmern sich.

Traumatisierung

Menschen, die einmal dem Terror von Mobbing ausgesetzt waren, können lebenslang mehr oder weniger stark unter diesem Trauma leiden. Meist tragen sie ein Jahr und länger nach Beendigung der Mobbingsituation noch sehr stark an diesen Verletzungen, ehe sie sich langsam erholen. Hierfür spielt eine entscheidende Rolle, wie lange die Mobbingsituation andauerte, auf welchem Wege sie aus dieser Situation herausgekommen sind, und ob sie "Genugtuung" empfinden konnten und nicht etwa Rachegefühle weiterhin eine Rolle spielen. Diese "Negativbesetzung" kann sich meist nur ändern, wenn der Betroffene das Gefühl hat, dass ihm zum Schluss Gerechtigkeit widerfahren ist oder er (zum Beispiel durch Selbsthilfegruppen oder Psychotherapie, Gesprächstherapie, Beratungen) genügend seelische Kraft bekommen hat, sein "Ich" wieder zu finden und mit sich im Reinen ist.

Rolle des Arztes

Leider fehlt den behandelnden Ärzten häufig das Wissen um die möglichen Hintergrundbelastungen im Berufsleben des Patienten oder auch die Zeit, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Die Ärzte stellen zwar fest, dass psychische Beeinträchtigungen da sind, aber hier endet es oft.

Denn die Ärzte müssen an Mobbing denken und nachfragen: "Wie ist es an Ihrem Arbeitsplatz?", "Fühlen Sie sich wohl?", "Haben Sie Angst, zur Arbeit zu gehen?", "Gibt es Konflikte", "Gibt es Schikanen?" Diese Schlüsselfragen sollte ein Arzt stellen, wenn sein Patient Symptome wie Depressivität, Schlaflosigkeit oder auch Angst hat. Aber selbst wenn "Mobbing" erkannt wird, zucken viele Ärzte mit den Schultern, denn darauf haben sie ja kaum Einfluss, so Lindemeier. Sogar Arbeitsmediziner sind beim Thema Mobbing oft hilflos und nicht ausreichend ausgebildet oder fühlen sich auch außerstande, in die Abläufe im Betrieb einzugreifen.

Behandlungsmöglichkeit: Therapie mit Medikamenten?

Sind die Ursachen und die Folgen klar, wird der Arzt erst einmal versuchen, dem Gemobbten körperlich und psychisch zu helfen. Wann und ob es hilfreich ist, den Betroffenen zunächst mit Hilfe von Psychopharmaka zu behandeln, ist auch in Fachkreisen umstritten. Bob Lindemeier gehört zu den Befürwortern einer kurzzeitigen Therapie mit Psychopharmaka bei schweren Fällen.

Tipp für den Anfang

Auszeit für den Betroffenen

Das Mobbingopfer muss lernen, im Normalfall mit Hilfe eines Beraters, Psychologen, Psychotherapeuten, sein "Ich" wieder zu finden, das am Boden liegt.

Dies geschieht am besten während einer Auszeit (Krankschreibung, denn der Betroffene ist ja tatsächlich erkrankt!) oder auch im Rahmen eines Aufenthaltes in einer speziellen Klinik (ambulant oder stationär in einer Psychosomatischen Klinik).

Wichtig

Es kann sinnvoll sein, neben der Behandlung der Psyche, auch einen Arbeitsrechtler aufzusuchen, denn man sollte nie die andere Seite aus den Augen verlieren.

Zuletzt möchte ich anmerken, dass es Mobbing in jeglicher menschlichen Beziehung - privat und beruflich - geben kann.

Wir selbst sind es, die entscheiden, ob uns eine Bemerkung oder Handlung negativ berührt oder nicht, es ist nicht der andere. Bin ich also gar nicht so sehr passives Opfer, wie ich mich fühle?

Natürlich gibt es Leute, die einfach unverschämt sind und die andere Menschen vorsätzlich verletzen. Aber ob ich mich dadurch gekränkt fühle oder ob ich mich dem selbstbewusst entgegenstelle, das liegt in meiner Macht. Je mehr ich in mir ruhe, je mehr ich dafür kämpfe, dass das Arbeitsklima gut bleibt, umso größer sind die Chancen, dass Konflikte gelöst werden und Mobbing gar nicht erst entsteht.

Sich zu wehren ist aber gar nicht so einfach, wenn man ausgegrenzt und gekränkt wird. Oft fühlt man sich so verletzt, dass man kaum klar denken kann.

Dann ist es umso wichtiger, sich Hilfe zu holen. Denn für diese starken Gefühle kann es auch historische Gründe geben.

Die Zitate stammen aus der Weiterbildung "Mobbing für Psychologen und Mediatoren".